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Unternehmensbewertung: Die 3 wichtigsten Methoden im Vergleich

EBITDA-Multiple, DCF oder Substanzwert — welche Bewertungsmethode ist die richtige für Ihr Unternehmen? Ein sachlicher Überblick für Geschäftsführer.

20. Februar 20265 Min. LesezeitMeinFirmenExit Team

Warum die Wahl der Methode entscheidend ist

„Was ist mein Unternehmen wert?" — diese Frage wird je nach Kontext unterschiedlich beantwortet. Beim Unternehmensverkauf im deutschen Mittelstand dominieren Marktmethoden (EBITDA-Multiples, Umsatz-Multiples), während bei Erbschaftssteuern oder Scheidungen das IDW S1-Ertragswertverfahren greift.

Dieser Beitrag gibt einen praxisorientierten Überblick über die drei wichtigsten Methoden — und erklärt, wann welche zutrifft.

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Methode 1: EBITDA-Multiple (Marktmethode)

Die EBITDA-Multiple-Methode ist der Standard bei M&A-Transaktionen im deutschen Mittelstand.

Formel: Normalisiertes EBITDA × branchenspezifischer Multiple = Enterprise Value

Was bedeutet "normalisiertes EBITDA"?

Das EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, Amortization) wird um Einmaleffekte bereinigt: Übergehalt des Inhabers, nicht betriebsnotwendige Ausgaben, außerordentliche Erträge oder Aufwendungen.

Branchenspezifische Multiples (Orientierungswerte 2026):

| Branche | Multiple-Range | |---------|---------------| | Handwerk & Gebäudetechnik | 3,0x – 6,5x | | Dienstleistungen | 4,0x – 8,0x | | Software & SaaS | 6,0x – 14,0x | | Gesundheitswesen | 5,0x – 10,0x | | Produktion & Industrie | 4,5x – 8,5x |

Vorteil: Marktbasiert, verständlich, direkt vergleichbar mit Transaktionen. Nachteil: Abhängig von Marktlage (in Krisen sinken Multiples deutlich).

Methode 2: DCF-Methode (Discounted Cash Flow)

Die DCF-Methode berechnet den Barwert aller zukünftigen freien Cash Flows des Unternehmens.

Formel: Unternehmenswert = Σ (FCF_t / (1 + r)^t) + Terminalwert

Dabei ist r der gewichtete Kapitalkostensatz (WACC) — typischerweise 10–15% für mittelständische Unternehmen.

Wann wird DCF eingesetzt?

  • Bei Unternehmen mit hohem Wachstum und aktuell niedrigem EBITDA (Wachstumspotenzial wird explizit modelliert)
  • Bei Private-Equity-Transaktionen als Plausibilitätsprüfung
  • Im Bankwesen zur Kreditwürdigkeitsbeurteilung

Vorteil: Berücksichtigt Wachstum und Zukunftspotenzial explizit. Nachteil: Stark abhängig von Prognosen — kleine Änderungen der Wachstumsrate oder des Diskontierungssatzes bewegen den Wert erheblich. Im Mittelstand oft unpraktisch, weil keine verlässlichen 5-Jahres-Planungen vorliegen.

Methode 3: Substanzwert (Net Asset Value)

Der Substanzwert addiert alle Vermögenswerte und subtrahiert alle Verbindlichkeiten.

Formel: Substanzwert = Aktiva − Verbindlichkeiten (zu Zeitwerten bewertet)

Wann ist der Substanzwert relevant?

  • Holding-Strukturen mit wesentlichem Immobilienvermögen
  • Unternehmen mit negativem oder sehr niedrigem Ertrag (Insolvenz-Szenarien)
  • Als Untergrenze bei der Bewertung (kein Käufer zahlt weniger als den Substanzwert)

Für operative Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen mit normaler Ertragslage ist der Substanzwert fast immer deutlich niedriger als der Ertragswert — und damit nicht kaufpreisrelevant.

Welche Methode gilt beim Verkauf?

In M&A-Verhandlungen im deutschen Mittelstand gilt: Der Markt entscheidet, und der Markt rechnet mit Multiples.

Ein Käufer zahlt einen Preis, der seiner Renditeerwartung entspricht. Bei einer Akquisitionsrendite von 15% und einem EBITDA von 1 Mio. EUR ergibt sich ein Kaufpreis von ca. 6,7 Mio. EUR — was einem 6,7x EBITDA-Multiple entspricht.

Die DCF-Methode dient als interne Plausibilisierung, die Substanzwertmethode als Untergrenze. Die Marktmethode (Multiple) ist der Ausgangspunkt jeder Preisfindung.

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Fazit

Für den Unternehmensverkauf im Mittelstand ist die EBITDA-Multiple-Methode maßgeblich. Ihre Vorbereitung sollte deshalb mit der Frage beginnen: Wie hoch ist unser normalisiertes EBITDA, und welche Multiples sind in unserer Branche realistisch?

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